





Achtung Bären!
Das Thema Bären ist für alle, die das erste Mal nach Kanada oder Alaska reisen, natürlich ein sehr großes Thema.
Um es kurz zu machen, wenn ein Bär dich fressen will, macht er das auch und du kannst so gut wie nichts dagegen tun.
Du kannst dich nur darauf vorbereiten und dich so gut wie nur möglich schützen.
Eine Waffe bringt dir als Europäer nichts und ist auch illegal, wenn du keinen Waffenschein hast und alle nötigen Papiere und Genehmigungen. Wenn du von Kanada aus startest und über die Grenze nach Alaska willst, hast du eine Menge Papierkram zu erledigen. Am Ende bringt dir ein Gewehr aber nichts, vertrau mir!
Wenn man zu zweit unterwegs ist, macht eine Pistole in meinen Augen am meisten Sinn. Du kannst damit deinem Partner ins Bein schießen und kannst dann schneller weglaufen, wenn ein Bär hinter euch her ist. Ich hoffe du verstehst meinen Humor:-)
Jetzt aber mal im Ernst.
Das wichtigste ist ein sauberes Camp und du musst dich immer bemerkbar machen.
Wenn du diese beiden Punkte immer beachtest, hast du eigentlich schon zu 99% alles richtig gemacht und du bist perfekt geschützt vor einem Bären.
Die größte Gefahr sind die Müllbären, die keine Scheu mehr vor Menschen haben und Bärenmütter mit Nachwuchs.
Der Müll Bär lebt in der Nähe der Zivilisation und hat gelernt, dass es Essen an den Lagerplätzen gibt und die Menschen damit in Verbindung gebracht hat.
Bist du also in der Nähe einer Straße oder Häusern, Wanderwegen oder einfach an einem Flussabschnitt vom Yukon, wo viele Paddler entlangkommen, musst du dich auf diesen Gesellen einstellen.
Das Gute an Müll Bären, es gibt sie nicht in der Wildnis.
Bei Bärenmüttern sieht das ganz anders aus. Diese durchstreifen auch die tiefste Wildnis mit ihrem Nachwuchs und wenn du ihnen über den Weg läuft oder zufällig begegnest, hast du ein großes Problem.
Mach dich immer bemerkbar, wenn du an Land gehst oder deinen Lagerplatz aufbaust. Schau dir vorher an, ob du Tierspuren findest und wenn dort Bärenspuren zu sehen sind, fahr weiter.
Wenn du einen guten Platz gefunden hast, mach sofort ein Feuer an. Rede mit dir selbst oder singe einfach was. Es ist egal, ob du singen kannst oder nicht, du bist eh alleine und deine Schreie hört später auch niemand.
Das Bärendreieck
Zelt - Boot - Feuerstelle müssen immer so weit wie nur möglich auseinanderliegen.
Niemals darfst du Essen mit ins Zelt nehmen, auch keine Parfums, Seifen, Deos oder Zahnpasta. Das hat alles nichts im Zelt verloren und gehört in ein Luftdichtes Bärenfass das weit weg von deinem Zelt steht und angebunden ist.
Wenn du denkst, dass die Unterseite von deinem Boot ein perfektes Schneidebrett ist, um deine Speisen kleinschneiden oder Fische darauf zu filetieren, nein, das ist das Dümmste was du machen kannst.
Und mach dich immer bemerkbar!
Wenn das alles aber nichts gebracht hat und ein Bär steht dir jetzt gegenüber, dann musst du unbedingt Bärenspray dabei haben. Aber Achtung, nur benutzen, wenn der Wind aus der richtigen Richtung kommt. Nicht vergessen den Schutz zu lösen und dich am besten vorher schon mal mit dem Umgang vertraut gemacht zu haben.
Ein Holster, das du direkt am Gürtel trägst und die Flasche Bärenspray auch leicht herausbekommen, wenn du sie braucht, ist in meinen Augen Pflicht.
Ich selbst habe noch nie Bärenspray gebraucht, ich halte mich immer an meine Regeln. Laut und Camp sauber halten.
Was ich allerdings empfehlen kann und auch schon benutzt habe, sind Bear Bangers. Damit kann man mächtig Eindruck schinden bei einem Bären und im Notfall kann man damit auch Notsignale abschießen. Sie sind klein, leicht zu bedienen und legal über die Grenze zu bringen. Allerdings gilt auch bei Bear Bangers dasselbe wie auch für Bärenspray, du darfst die nicht mit in den Flieger nehmen.
Also erst vor Ort kaufen und dann am Ende deiner Expedition verbrauchen oder verschenken.
Das alles bringt dir aber am Ende nichts, wenn du einem Grizzly über den Weg läufst. Wenn du viel Glück hast, rennt der Bär einfach weg und wenn nicht, dann denk an meine Worte.
Was auch gut funktioniert, aber mega anstrengend ist und du es auch noch mitschleppen musst, der gute alte Bärenzaun. Für eine Expedition in einem Kanu oder Kajak mit viel Platz eine echte Option. So ein Zaun funktioniert wie ein Weidezaungerät für Nutztiere nur mit ein paar mehr Joul an Leistung. Natürlich musst du auch die Stromversorgung dafür haben, aber zu diesem Thema gibt es auch einen Artikel hier auf der Seite.
Du hast noch nie so gut geschlafen wie in einem Zelt mit einem Bärenzaun drumherum. Die alten Haudegen halten natürlich nichts davon, sie sehen dem Tod lieber ins Gesicht, auch wenn es ein 800 kg schwerer Grizzly ist, der ihnen gleich bei lebendigem Leib die Haut vom Körper zieht.
Denk auch immer daran, frag diese Haudegen immer danach, ob sie auch wirklich alleine unterwegs waren, auf ihren sagenhaften Reisen von denen, die immer erzählen.
Die meisten davon waren immer nur in einer geführten Gruppe unterwegs und erzählen dir jetzt ihre Stammtischparolen, die nichts mit einer echten Solo-Expedition zu tun haben. Das ist was für den Kanu Club oder einen Dia-Vortrag im Altersheim, schützt dich aber nicht vor einem Bären.
Wenn du realisierst, dass 100 km um dich herum niemand ist, wirst du einen Bärenzaun sehr schätzen.
Du kannst mit so einem Bärenzaun auch dein Lager gut schützen, wenn du mal angeln / wandern willst oder in der Nähe von einem Dorf bist und einkaufen gehst. Du bist ja alleine unterwegs, wer soll da auch dein Lager aufpassen, wenn du weg bist?
Grundsätzlich wirst du aber eh keinen Bären in der Wildnis sehen, dieses Privileg haben nur die wenigsten.
Meinen ersten Grizzly habe ich gesehen, als ich in meinem Kanu am Beaver Creek um die Kurve gefahren bin und er dort auf einer Sandbank ca. 10 Meter entfernt von mir gemütlich einen Fisch gefressen hat. Er hat mich sofort angeschaut und ich habe ihn erst bemerkt, als es schon viel zu spät war. An diesem Tag entschied sich der Bär abzuhauen und ich hörte es nur noch im Unterholz knacken und sah, wie sich die Büsche bewegten, als er im Wald verschwand. Wie groß so ein Grizzly ist, merkt man erst so richtig, wenn er 10 Meter von dir entfernt ohne Zaun und doppelten Boden vor dir steht. Um ehrlich zu sein, ich hätte noch nicht mal Zeit gehabt, mein Bärenspray zu entsichern oder ein Gewehr in die Hand zu nehmen. Deshalb sind das alles nur theoretische Sicherheitsvorkehrungen, die einem in der Praxis nur sehr wenig nützen.
Sei also dankbar, wenn du das Glück hast einen Bären in der freien Natur zu beobachten.
Alles irgendwie schon verrückt, wer geht schon freiwillig in die Wildnis?