





Gibt es das perfekte Expeditionsboot für den Yukon?
Hier kann ich ganz klar für mich sagen: Ja!
Fangen wir mal damit an, was man so braucht, um 40-90 Tage in einem Boot zu sitzen und den Yukon herunterzufahren.
Richtig, man benötigt einen Sitzplatz, der bequem ist. Glaubt mir, nach 30 Tagen tut euch selbst mit dem perfekten Sitz der Arsch weh. Da kannst du machen was du willst und jeder der was anderes behauptet ist die absolute Ausnahme.
Ok, was noch?
Platz für dein gesamtes Equipment, Proviant und natürlich dein Lagerzeug.
Also kommt einem direkt ein Kanu in den Sinn. Eigentlich das ideale Boot für den Yukon, sollte man meinen. Aber der Yukon fängt an einem See an und man muss dummerweise auch noch vier Seen überqueren und das ganze dann auch noch bei Wind und Wetter.
Dann wirds doch eher ein Kajak! Das große Problem dabei, du hast kaum Platz, sitzt wie ein Affe auf'm Schleifstein und kannst das ganze nicht mal im Flieger transportieren. Selbst mit einem Auto ist es nicht gerade einfach, alles zu transportieren und du bist ja auf der gesamten Strecke alleine unterwegs.
Ein Kajak ist aber wegen des Wellengang schon die bessere Wahl, wer schon mal einen Sturm oder Unwetter auf dem Yukon erlebt hat, weiss was ich meine. Und natürlich ist es viel schneller als ein Kanu, gerade wenn man alleine drin sitzt und ordentlich paddeln muss.
Man hat aber kaum Platz in so einem Kajak und die Sitzposition ist nach ein paar Tagen echt eine Zumutung. Wenn man mal kurz aussteigen will oder keinen Platz zum Anlegen findet, der kann nur in eine Flasche pinkeln. Und nein, man kann am Yukon nicht einfach so mal anlegen. Bei Hochwasser keine Chance und bei Niedrigwasser ist alles schlammig und man bleibt einfach stecken. Immer dran denken, man ist ja alleine unterwegs.
Wie wäre es mit einem Packraft? Es gibt große 2er und man hat viele Vorteile in einem Boot vereint. Es hat Platz, man sitzt sehr bequem und kann es von allen Bootstypen mit weitem Abstand am einfachsten transportieren.
Mit einer Spritzdecke eigentlich das perfekte Boot, wenn es nicht langsam wäre wie eine Bleiente und windanfällig wie ein Scheunentor. Dazu ist es auch noch recht empfindlich im Vergleich mit allen anderen Booten. Wenn da ein Bär mal reinbeisst, um zu testen, wie es schmeckt, hast du ein Problem.
Grundsätzlich ist ein Kajak aber die beste Wahl für eine lange Expedition. Du musst es aber dann in Whitehorse kaufen und zwar zum Neupreis und am Ende verschenken. Niemand kauft dir das Boot ab, die Kosten es zurück zu transportieren sind einfach zu hoch und das wissen alle. Klar, man könnte es mit Air Cargo von Emmonak nach Bethels schicken und von dort aus nach Anchorage. Hier wird man es definitiv besser verkaufen können, aber hast du Zeit dafür? Am Ende muss das natürlich jeder selbst entscheiden, für mich wäre es aber schlicht und ergreifend unpraktikabel.
Wie wäre es, mit einer Mischung aus Kanu und Kajak, dazu noch leicht zu transportieren, einfach zu reparieren und zu einem Spottpreis zu bekommen? Hört sich zu gut an, um wahr zu sein? Nein, es gibt so ein Boot! Die Firma Klepper hat in den 1950er angefangen es zu bauen. Das legendäre Klepper Aerius 2.
Dieses Faltboot bietet wirklich alles, was man braucht und viel mehr.
Mit einer Länge von 5,20 m, einer Breite von 87 cm und einem Gewicht von nur 29 kg (je nach Haut) hat man eine unglaubliche Zuladung von ca. 350 kg.
Das Geniale an dem Boot, es hat zwei Luftschläuche verbaut und ist damit quasi unsinkbar, gut hat man von der Titanic auch behauptet und auch damit ist man übelst aufs Maul geflogen. Aber ich bin mir sicher, wenn du mit einem Klepper Aerius gesunken bist, hättest du mit einem Kanu oder Packraft nicht mal die geringste Chance gehabt.
Das ganze noch mit einer Spritzdecke und einem Seitenbordmotor, wie dem Krahwinkel KPM 15s und einem aufblasbaren Segel ausgerüstet und schon hat man das beste Expeditionsboot für den Yukon.
Damit alle Spekulationen beseitigt sind, mit dem Krahwinkel Motor (ist ja eigentlich ein Honda GX31 Motor) kann man nicht ununterbrochen fahren. Zum einen hat man einfach nicht genug Sprit dabei und es gibt nur ein paar Möglichkeiten unterwegs zu tanken und zum anderen will man ja auch die ruhige Natur genießen. Ich habe es auf meiner Expedition immer so gehalten, pro Tag 6-8 Stunden paddeln und die letzten 2 Stunden (so lange kann man mit einer Tankfüllung fahren) dann mit dem Motor gefahren. Es hat den entscheidenden Vorteil, dass man etwas ausgeruht ist, wenn man sein Lager aufbauen muss. Man kann sich die tägliche Arbeit für ein Lager, kochen, Körperpflege usw. nicht teilen, wenn man alleine ist.
Man hat jetzt das beste aus allen Welten:
einfach zu transportieren (Flugzeug Sportgepäck)
leicht zu reparieren (Holzgerüst und Gummihaut)
billig (gute brauchbare Aerius 2 ab 500€ zu finden)
extrem flexibel (Motor/Segel, Paddel)
einfach zu steuern
viel Platz für 1 Person, ein Aerius 1er ist ein Witz dagegen
steuerbar mit freien Händen (wer Fotos oder Filme machen will, wird es sehr schätzen)
guter kompromiss aus geschwindigkeit und Zuladung
absolut seetauglich bei Wind und Wellen (ok, auch hier kommt man aber irgendwann an das Limit)
Es gibt eine Standard Haut und eine Expedition Haut, hier würde ich zur Expedition Haut raten. Die Lebensleine und auch die Kielstreifen bzw. die Dicke der Haut machen bei so einer langen Expedition wirklich einen Unterschied. Schaut euch auch die Häute anderer Firmen an, einem Kleppergerüst ist es egal von welcher Firma die Haut kommt. Der Preisunterschied ist enorm und man hat sogar noch bessere Qualität bzw. mehr Ausstattung, wenn man es bei einem Faltbootspezialist in Auftrag gibt.
Für die Kombination aus 4 großen Seen und einem Fluss mit verschiedenen Abschnitten wie dem Yukon, das mit Abstand beste Expeditionsboot. Ich kann es nur jedem wärmstens ans Herz legen.
Wenn man aber unbedingt ein Kanu will, ist das Ally Kanu die beste Wahl, allerdings nur bis zur Yukon River Bridge. Danach ist es einfach zu windig für ein Kanu. Hier in diesem Fall, würde ich mir eh ein Festrumpf kaufen und kein Faltboot benutzen.
Ein Ally lässt sich auch gut transportieren (1 große Tasche, ca. 26 kg) und wenn man möchte kann man auch einen Motor und Seitenaußleger an das Kanu bauen. Mit einer Spritzdecke rundet man das ganze dann auch noch gut gegen Wind und Wetter ab.
Ich würde ein Ally 16.5 nehmen für kurze Strecken wie Whitehorse - Dawson oder den Big Salmon River usw., hier macht es echt Sinn und man kann eine Menge Geld sparen. Ein Ally hat auf einem See wie dem Atlin Lake nach meiner Meinung nichts verloren. Der Wind fegt einen damit einfach weg wie ein Blatt auf dem Wasser und die Wellen erledigen den Rest. Das macht einfach keinen Spaß!
Thema Packraft
2024 bin ich aufgrund eines YouTube Reiseberichts auf die Idee gekommen, den kompletten Yukon mit einem Packraft zu paddeln. Im Nachhinein betrachtet, keine so gute Idee und eigentlich auch völlig unrealistisch! Glaubt deshalb niemals jemanden, ohne die GPS Daten gesehen zu haben.
Ein Packraft hat auf einem großen Fluss wie dem Yukon bei einer mehrwöchigen Expedition nichts verloren. Das ist einfach nicht das richtige Boot für so eine Umgebung.
Gummiboote
Ich habe ein Grabner Speed, das ich sehr gerne hier auf dem Rhein benutze und könnte mir gut vorstellen, es auch mal mit an den Yukon zu nehmen. Mit einem 5 PS Motor und den Außlegern dran ein echt gutes Boot, mit dem man auch sicher auf unruhigem Seen fahren kann. Das Problem ist hier allerdings der Motor, diesen muss man sich zwangsläufig in Whitehorse kaufen und später wieder verschenken oder verkaufen. Wenn man einfach nicht genug Zeit hat, einfach mal so 3 Monate auf dem Yukon zu verbringen, eine echte Option. Lasst euch bloß nichts von anderen einreden, man darf den Yukon nur mit Muskelkraft paddeln. Besser eine unvergessliche Expedition mit einem Motorboot als niemals!
Grundsätzlich scheiden sich bei dem Thema Boote für den Yukon die Geister. Es gibt ellenlange Foren Threads wo sich pro und contra gegenseitig die Köpfe einschlagen und sich teilweise bis aufs Blut beleidigen. Ganz ehrlich, das sind für mich alle Spinner, die auf dem Yukon nichts verloren haben. Jeder muss für sich das richtige Auswählen und seine eigene Expedition planen, wie er es möchte. Es ist euer Leben und das sollte man niemals vergessen.
Reisepartner
Kurz und bündig, nehmt niemanden mit und fahrt besser alleine. Weit über die Hälfte der Expeditionen scheitern an Unstimmigkeiten untereinander, diesem Risiko würde ich mich niemals aussetzen. Aber auch hier ist ganz klar, wenn ihr Angst habt alleine zu fahren, fahrt lieber mit jemandem zusammen, bevor ihr die Expedition nicht macht.







Der perfekte Motor für mein Expeditionsboot, der KMP 15 an einem Klepper Aerius 2.
Ich habe diesen Motor auf dem Yukon auf Herz und Nieren geprüft. Es gibt in meinen Augen nichts Vergleichbares, damit kann man selbst in den abgelegensten Gebieten gut zurechtkommen. Wenn man den Motor nicht benötigt, kann man ihn einfach am Boot hängen lassen oder auseinanderbauen und im Boot verstauen. Der Honda GX31 schnurrt wie ein Kätzchen und ist quasi unzerstörbar. Die einzige Schwachstelle ist, wie bei allen Außenbordern, die Schraube und die Achse. Die Sedimente im Yukon haben dem Motor wirklich alles abverlangt. Dank der Luftkühlung hatte ich aber sonst keine Probleme damit. Mit nur 7.5 kg ist er dazu auch noch Federleicht und lässt sich super transportieren, selbst im Flieger. Wenn ihr einen zum Kauf angeboten bekommt, sofort zugreifen!